Lagergebühr
Die Lagergebühr ist das zeitbasierte Entgelt, das Amazon für die Einlagerung von FBA-Ware in seinen Logistikzentren berechnet. Sie wird monatlich nach Kubikmetern abgerechnet, steigt im vierten Quartal stark an und wird durch zusätzliche Langzeit-Aufschläge für Lagerbestand ab 181 Tagen verschärft.
Die Lagergebühr (englisch Storage Fee) ist der zweite Logistikkostenblock von Amazon FBA neben der FBA-Gebühr. Während die FBA-Gebühr pro verkaufter Einheit anfällt, ist die Lagergebühr zeitbasiert — sie läuft, solange Ware im Amazon-Lager liegt, unabhängig davon, ob sie verkauft wird oder nicht.
Zwei Komponenten
Amazon erhebt zwei Arten von Lagergebühren:
- Monatliche Lagergebühr — pro Kubikmeter, gestaffelt nach Größenkategorie und Saison. Aktuell (2026) liegt sie für Standardgrößen im Bereich von 26 €/m³ in den Monaten Januar bis September und 36 €/m³ in Oktober bis Dezember. Für Sperrgut sind die Sätze niedriger pro Volumen, aber bei größeren Maßen absolut höher.
- Langzeit-Lagergebühr (Aged Inventory Surcharge) — Aufschlag für Bestand, der länger als 181 Tage im Lager liegt. Sie wird zusätzlich zur monatlichen Gebühr berechnet und steigt mit zunehmender Lagerdauer (271+, 365+ Tage) in mehrere Stufen.
Warum Q4 alles verändert
Die saisonale Erhöhung von ~26 auf ~36 €/m³ ab Oktober ist kein kleiner Aufschlag — sie beträgt ~40 %. Wer zum Black Friday Bestand im Lager hat, der erst im Januar verkauft, zahlt drei Monate die Hochsaisonrate. Bei einem Produkt mit 0,002 m³ Volumen sind das pro Einheit ca. 0,22 € statt 0,16 €. Skaliert auf 5.000 Einheiten Restbestand = 300 € Mehrkosten allein durch falsches Timing.
Sales-Velocity als Lagerkostenhebel
Die effektive Lagergebühr pro verkaufter Einheit hängt direkt von der Verkaufsgeschwindigkeit ab. Beispiel für ein Produkt mit 0,001 m³ Versandvolumen:
| Sales-Velocity | Lagerumschlag | Effektive Lagerkosten / Einheit |
|---|---|---|
| 100 Einheiten/Monat | ~3× pro Jahr | ~0,12 € |
| 30 Einheiten/Monat | ~1× pro Jahr | ~0,40 € |
| 10 Einheiten/Monat | ~3 Jahre Reichweite | >2,00 € + Langzeitaufschlag |
Langsamdreher zahlen also nicht nur eine, sondern oft fünf- bis zehnfache Lagerkosten pro verkaufter Einheit.
Ausgehende Komponenten der Lagergebühr
Neben der Standardgebühr existieren weitere Posten:
- Inventory Performance Index (IPI) — bei niedrigem Score (<400) Lagerlimits, was indirekt Lagerdruck erzeugt
- Removal Fees — wenn Slow-Sellers entfernt werden müssen
- Disposal Fees — bei Vernichtung statt Rücksendung
Häufige Fehler
- Q4-Sicherheitsbestand zu hoch. Wer 20 Wochen Reichweite einlagert, zahlt doppelt: erst Hochsaison-Lagerkosten, dann Langzeitaufschlag.
- Volumen nicht im Stückrechner. Viele kalkulieren nur FBA-Gebühr und Vermittlungsgebühr; die Lagergebühr fehlt — und ist bei Langsamdrehern die größte einzelne Kostenposition.
- Slow-Seller nicht aktiv abgebaut. Inventory > 270 Tage gehört in Rabattaktionen, Bündel oder Removal — nicht ins nächste Q4.
- IPI ignoriert. Niedriger IPI = Lagerlimit = nicht nachbestellbar = Out-of-Stock = Ranking-Verlust. Lagerkostenmanagement ist Ranking-Management.