Nettomarge
Die Nettomarge ist der nach allen Kosten — inklusive Werbung, Retouren, Overhead, Steuern und sonstigen Ausgaben — übrigbleibende Gewinnanteil am Nettoumsatz. Sie ist die ehrliche Antwort auf die Frage „verdiene ich Geld?" und bei gut geführten Amazon-Geschäften typischerweise bei 8–18 % angesiedelt.
Die Nettomarge (englisch Net Margin, manchmal Bottom Line) ist die finale Erfolgskennzahl eines Amazon-Geschäfts. Während die Bruttomarge das Potenzial vor Werbung und Overhead zeigt, beantwortet die Nettomarge die einzige Frage, die am Jahresende zählt: Wie viel bleibt unterm Strich?
Definition und Formel
Nettomarge € = Bruttomarge €
- Werbeausgaben pro Einheit
- Retouren- und Erstattungskosten
- Anteiliger Overhead (Personal, Tools, Miete)
- Sonstige Sonderkosten
Nettomarge % = Nettomarge € / Nettoumsatz × 100
Vom ASP zur Nettomarge
Vollständige Ableitung für ein typisches Produkt:
Brutto-ASP 21,80 €
./. USt 19 % -3,48 €
= Netto-ASP 18,32 €
./. Wareneinsatz -4,00 €
./. Vermittlungsgebühr -2,75 €
./. FBA-Gebühr -3,40 €
./. Lagergebühr -0,30 €
./. Inbound-Fracht -0,40 €
= Bruttomarge 7,47 € (40,8 %)
./. Werbeanteil (TACoS 12 %) -2,20 €
./. Retourenkosten (5 %) -0,80 €
./. Overhead-Anteil -1,50 €
./. Sonstiges -0,30 €
= Nettomarge 2,67 € (14,6 %)
Eine Bruttomarge von 41 % wird hier zu einer Nettomarge von 15 % — der typische Verdichtungsfaktor liegt bei 2–3 ×.
Was alles in den Overhead gehört
Der Posten „Overhead" wird oft unterschätzt. Er enthält:
- Personalkosten (Inhouse-Team, Account-Manager, Werbespezialist)
- Agenturhonorare
- Tool-Stack (Listing-Tools, Repricer, Analytics, Buchhaltung)
- Miete für externe Lager, falls Restbestände außerhalb FBA gehalten werden
- Werbung außerhalb Amazon (Google, Meta, Influencer)
- Marken- und Rechtskosten (Markenanmeldung, Anwalt, Lizenzen)
- Steuerberatung und Buchhaltung
- Anteilige Versicherungen (Produkthaftpflicht)
Bei kleinen Sortimenten kann ein einzelnes Produkt durch hohe Fixkosten in die rote Nettomarge rutschen, obwohl die Stück-Ökonomik gesund aussieht.
Nettomarge und TACoS
Die TACoS (Total Advertising Cost of Sales) ist der direkteste Hebel zwischen Bruttomarge und Nettomarge. Faustregel:
Maximal vertretbare TACoS ≈ Bruttomarge % - gewünschte Nettomarge % - Overhead-Anteil %
Beispiel: Bruttomarge 40 %, gewünschte Nettomarge 15 %, Overhead 10 % → maximaler TACoS ≈ 15 %.
Branchenbenchmarks
| Geschäftsmodell | Typische Nettomarge |
|---|---|
| Reseller / Arbitrage | 3–8 % |
| Private Label, generisch | 8–15 % |
| Private Label, Premium-Marke | 15–25 % |
| Vendor (Großhandel an Amazon) | 4–10 % |
| Stark beworbene Skalierungsphase | 0–5 % (bewusst) |
Häufige Fehler
- Overhead nicht zugerechnet. „Im Tool steht 18 % Marge" — ohne dass Personal, Tools und Werbung berücksichtigt sind. Die echte Nettomarge ist niedriger.
- Nur eine ASIN gerechnet. Die Nettomarge eines einzelnen Topsellers kann attraktiv aussehen, während Long-Tail-Produkte das Gesamtportfolio in den Verlust ziehen.
- Retouren unterschätzt. Bekleidung 30 %+, Elektronik 5–10 %, Verbrauchsgüter 1–3 %. Die Retourenquote pro Kategorie kennen und einrechnen.
- Steuern verwechselt. Die Nettomarge in dieser Definition ist vor Ertragsteuer. Nach Steuern (KSt + GewSt ≈ 30 %) bleibt nochmal 30 % weniger Cash.
- Wachstum mit Marge gleichgesetzt. Wer in der Skalierungsphase 0 % Nettomarge fährt, baut Marktposition auf — solange er weiß, dass es eine Entscheidung ist, nicht ein Versehen.