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Bruttomarge

Die Bruttomarge ist der Anteil des Nettoverkaufspreises, der nach Abzug der direkten Stückkosten (Wareneinsatz, Vermittlungs- und FBA-Gebühr, Lagergebühr) übrig bleibt, um Werbung, Overhead und Gewinn zu finanzieren. Sie ist die wichtigste Steuerungskennzahl in der Stück-Ökonomik und legt den maximal investierbaren Werbebetrag fest.

BruttomargeGross MarginDeckungsbeitragContribution MarginRohmarge

Die Bruttomarge (englisch Gross Margin, in der Amazon-Praxis oft als Deckungsbeitrag I bezeichnet) ist die zentrale Kennzahl für die wirtschaftliche Steuerung eines Produkts. Sie beantwortet die Frage: Wie viel Geld pro verkaufter Einheit bleibt übrig, bevor Werbung und Fixkosten ins Spiel kommen?

Definition und Formel

Bruttomarge € = Nettoverkaufspreis (ASP netto)
              - Wareneinsatz (COGS)
              - Vermittlungsgebühr
              - FBA-Gebühr
              - Lagergebühr / Einheit
              - Sonstige variable Kosten (Verpackung, Inbound-Fracht)

Bruttomarge % = Bruttomarge € / Nettoverkaufspreis × 100

In der Praxis arbeiten viele Tools mit dem Bruttoverkaufspreis. Das ist akzeptabel, solange konsistent — entscheidend ist, dass USt und Vermittlungsgebühr nicht doppelt abgezogen werden.

Beispielrechnung

Produkt: 24,99 € brutto, ASP nach Coupons 21,80 € brutto, Standardgröße.

Brutto-ASP             21,80 €
./. USt 19 %           -3,48 €
= Netto-ASP            18,32 €
./. Wareneinsatz       -4,00 €
./. Vermittlungsgeb.   -2,75 €
./. FBA-Gebühr         -3,40 €
./. Lagergebühr        -0,30 €
./. Inbound-Fracht     -0,40 €
= Bruttomarge €         7,47 €
= Bruttomarge %         40,8 %

Diese 7,47 € sind das Budget, das pro Verkauf für Werbung, Overhead, Steuern und Gewinn zur Verfügung steht.

Warum die Bruttomarge entscheidend ist

Sie bestimmt direkt:

  1. Maximaler Ziel-ACoS — wer 40 % Bruttomarge hat, kann theoretisch bis 40 % ACoS fahren, ohne in den Verlust zu rutschen (für die Werbeflanke ohne Overhead-Berücksichtigung).
  2. Maximaler Werbebudget-Anteil am Umsatz (TACoS-Obergrenze).
  3. Skalierbarkeit. Produkte mit <25 % Bruttomarge sind auf Amazon strukturell schwer skalierbar, weil sie keinen Werbespielraum lassen.
  4. Wettbewerbsresilienz. Hohe Bruttomarge = Spielraum für Preissenkungen in Promotionen und Buy-Box-Kämpfen.

Bruttomarge vs. Nettomarge

Die Nettomarge zieht zusätzlich Werbung, Overhead, Retouren, Steuern und Sonderkosten ab. Die Bruttomarge ist die Vorstufe — sie zeigt das ökonomische Potenzial, die Nettomarge das tatsächliche Ergebnis.

KennzahlWas sie zeigtVerwendung
BruttomargeSpielraum vor Werbung & OverheadWerbestrategie, Preissetzung
NettomargeTatsächlicher GewinnGeschäftsführung, Investorengespräche

Bruttomarge in der DACH-Realität

Empirische Bandbreiten:

  • Reseller (Markenware im Großhandel): 8–18 %
  • Private Label, einfache Kategorien: 25–40 %
  • Private Label, differenzierte Premiumprodukte: 40–60 %
  • Eigenmarken im Beauty/Supplement-Bereich: 50–70 %

Wer auf Amazon nachhaltig wachsen will, sollte ohne Werbung mindestens 30 % Bruttomarge halten — alles darunter zwingt zu defensiver Werbung und macht Wachstum strukturell teuer.

Häufige Fehler

  • Listing-Preis statt ASP. Wir haben es im ASP-Eintrag ausgeführt: Listing-Preis-basierte Bruttomarge ist meist 5–15 Punkte zu hoch.
  • Lagergebühr nicht eingerechnet. Bei Langsamdrehern frisst die Lagergebühr 1–3 Punkte Marge — wer sie auslässt, plant zu optimistisch.
  • Inbound-Fracht vergessen. Container aus China, Inbound-Placement-Service-Fee, Zoll, FBA-Anlieferung — alles gehört in die Stückrechnung.
  • Bruttomarge mit Nettomarge verwechselt. Eine 40 %-Bruttomarge ist nicht 40 % Gewinn — sie ist die Vorstufe.
  • Statische Bruttomarge. Preise, Coupons, FBA-Gebührenerhöhungen — die Bruttomarge ist eine variable Größe und muss mindestens quartalsweise nachgerechnet werden.

Verwandte Begriffe

Nettomarge
Die Nettomarge ist der nach allen Kosten — inklusive Werbung, Retouren, Overhead, Steuern und sonstigen Ausgaben — übrigbleibende Gewinnanteil am Nettoumsatz. Sie ist die ehrliche Antwort auf die Frage „verdiene ich Geld?" und bei gut geführten Amazon-Geschäften typischerweise bei 8–18 % angesiedelt.
Stück-Ökonomik
Stück-Ökonomik (englisch Unit Economics) ist die vollständige Gewinn-und-Verlust-Rechnung auf Ebene einer einzelnen verkauften Einheit. Sie bricht ASP, Wareneinsatz, Gebühren, Werbung, Retouren und Overhead-Anteil auf eine SKU und eine Einheit herunter und ist das Fundament jeder seriösen Amazon-Entscheidung.
Cost of Goods Sold (COGS) – Wareneinsatz
COGS bezeichnet die vollständigen Einstandskosten je Einheit – von der Produktion über Verpackung und Fracht bis hin zu Zöllen und Amazon-Prep. Er ist die Grundlage jeder Margen- und Gebotsberechnung; ein Fehler hier setzt sich in jede andere Kennzahl fort.
Ziel-ACoS (Target ACoS)
Der Ziel-ACOS ist der maximale Werbekostenanteil, den ein Werbetreibender bereit ist zu investieren, um ein bestimmtes strategisches Ziel (z. B. Rentabilität oder Wachstum) zu erreichen.
Durchschnittlicher Verkaufspreis
Der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP, Average Selling Price) ist der über alle Verkäufe eines Zeitraums gemittelte tatsächlich erzielte Stückpreis — nach Rabatten, Coupons und Multipack-Effekten. Er ist die ehrlichste Kennzahl für die tatsächliche Erlösseite und Grundlage jeder seriösen Margen-, Ziel-ACoS- und Forecast-Rechnung.