Ziel-ACoS (Target ACoS)
Der Ziel-ACOS ist der maximale Werbekostenanteil, den ein Werbetreibender bereit ist zu investieren, um ein bestimmtes strategisches Ziel (z. B. Rentabilität oder Wachstum) zu erreichen.
Der Ziel-ACOS (Target ACoS) ist keine Messgröße, die man im Amazon-Dashboard findet, sondern eine strategische Vorgabe. Während der berichtete ACOS zeigt, was passiert ist, legt der Ziel-ACOS fest, was passieren darf. Er bildet die Leitplanke für jede Gebotsoptimierung und entscheidet darüber, ob eine Kampagne als erfolgreich oder erfolglos eingestuft wird.
In der Praxis ist der Ziel-ACOS meist eng an die Bruttomarge des Produkts gekoppelt, kann aber je nach Lebenszyklus des Produkts (Launch vs. Abverkauf) variieren.
Die Herleitung vom Break-even ACOS
Um den richtigen Ziel-ACOS zu definieren, muss man zuerst den Break-even ACOS kennen. Dies ist der Punkt, an dem die Werbekosten exakt dem Gewinn vor Werbekosten entsprechen. Bei einem Break-even ACOS ist der Nettogewinn der beworbenen Einheit genau Null.
Die Kalkulation folgt diesem Schema:
- Verkaufspreis (Netto): 100,00 €
- - Wareneinsatz (COGS): 30,00 €
- - Amazon Gebühren (FBA & Verkaufsprovision): 35,00 €
- - Gemeinkosten & Retourenreserve: 5,00 €
- = Bruttomarge vor Werbung: 30,00 € (30 %)
In diesem Beispiel liegt der Break-even ACOS bei 30 %. Jeder ACOS unter 30 % bedeutet Gewinn pro verkaufter Einheit; jeder ACOS darüber bedeutet Verlust.
Ziel-ACOS nach Strategie
Ein Seller setzt seinen Ziel-ACOS selten exakt auf den Break-even-Punkt. Je nach Zielsetzung ergeben sich unterschiedliche Korridore:
| Strategie | Ziel-ACOS Definition | Zielsetzung |
|---|---|---|
| Maximaler Profit | Deutlich unter Break-even (z. B. 15 % bei 30 % Marge) | Maximierung der Netto-Marge pro Verkauf. |
| Aggressives Wachstum | Am Break-even Punkt (z. B. 30 % bei 30 % Marge) | Marktanteile gewinnen, BSR verbessern, ohne draufzuzahlen. |
| Produkteinführung (Launch) | Über Break-even (z. B. 60 % bei 30 % Marge) | Sichtbarkeit und Rezensionen kaufen; kurzfristiger Verlust akzeptiert. |
| Lagerabverkauf | Weit über Break-even | Liquidität generieren, Lagergebühren vermeiden. |
Die Rolle des Ziel-ACOS in der Gebotssteuerung
Der Ziel-ACOS ist der wichtigste Eingangswert für die Berechnung von Geboten. Wenn ein Seller weiß, dass sein Ziel-ACOS bei 25 % liegt, kann er den maximalen CPC berechnen, den er sich für ein Keyword leisten kann:
Max-CPC = Durchschnittlicher Verkaufspreis × Konversionsrate (CVR) × Ziel-ACOS
Beispiel: Ein Produkt kostet 40 €, die CVR liegt bei 10 % und der Ziel-ACOS ist 20 %.
40 € × 0,10 × 0,20 = 0,80 € Max-CPC.
Liegt der aktuelle CPC über diesem Wert, muss das Gebot gesenkt werden, um den Ziel-ACOS zu erreichen. Liegt er darunter, besteht Raum für aggressivere Gebote, um mehr Volumen zu generieren.
Häufige Fehler
- Einen einheitlichen Ziel-ACOS für den ganzen Account setzen. Ein Zubehörartikel mit 50 % Marge braucht einen anderen Zielwert als ein Hauptgerät mit 15 % Marge. Optimierung muss auf SKU- oder Kampagnenebene stattfinden.
- Retouren und Steuern vergessen. Wer den Ziel-ACOS auf Basis des Brutto-Verkaufspreises (inkl. MwSt.) berechnet, aber Netto-Werbekosten gegenrechnet, kalkuliert sich arm. Die Basis muss immer die Netto-Marge sein.
- Zu starr am Ziel-ACOS festhalten. Wenn ein Keyword einen ACOS von 35 % hat (Ziel: 30 %), aber massiv organisches Ranking für profitable Begriffe treibt, wäre eine Senkung der Gebote kontraproduktiv.
- Den Ziel-ACOS zu niedrig ansetzen. Wer bei einer Marge von 30 % einen Ziel-ACOS von 5 % fordert, wird kaum Impressions gewinnen. Der Ziel-ACOS muss marktüblich und im Verhältnis zur Konversionsrate realistisch sein.
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