ACOS (Advertising Cost of Sales)
Der ACOS misst, welcher Anteil des durch Werbung generierten Umsatzes für Werbung ausgegeben wurde — Werbeausgaben geteilt durch Werbeumsatz. Er ist die zentrale Effizienzkennzahl der Amazon-PPC-Welt.
Der ACOS (Advertising Cost of Sales) beschreibt, wie viel vom werbungsattribuierten Umsatz auf Amazon für Werbung ausgegeben wurde. Er wird als Prozentwert ausgedrückt:
ACOS = (Werbeausgaben / Werbeumsatz) × 100
Eine Kampagne, die mit 20 € Spend 100 € Umsatz erzeugt, hat einen ACOS von 20 %. Ein niedrigerer ACOS bedeutet effizienteren Einsatz des Budgets — aber „niedriger" ist nicht automatisch „besser". Wer den ACOS zu aggressiv drückt, hungert seine Kampagnen aus und verschenkt inkrementelle Umsätze. Der richtige ACOS ist immer derjenige, der die Margenziele der jeweiligen SKU trifft — nicht der niedrigste Wert, den ein Dashboard hergibt.
ACOS, TACOS und ROAS — Begriffsklärung vor Optimierung
Die Begriffe rund um Werbeeffizienz werden in der Praxis schlampig verwendet. Vor jeder Optimierung lohnt ein Blick in die saubere Definition:
- ACOS —
Werbeausgaben / werbeattribuierter Umsatz. Kampagneneffizienz. Wird je Kampagne, Anzeigengruppe, Target, Suchbegriff und Platzierung berichtet. - TACOS (Total ACOS) —
Werbeausgaben / Gesamtumsatz (organisch + bezahlt). Markeneffizienz. Das ist die Kennzahl, die tatsächlich mit der Gewinn-und-Verlust-Rechnung korreliert. Ein fallender TACOS bei stabilem oder wachsendem Gesamtumsatz ist die Signatur einer Marke, deren organischer Schwungrad-Effekt funktioniert. - ROAS (Return on Ad Spend) —
Werbeumsatz / Werbeausgaben. Der mathematische Kehrwert des ACOS, ausgedrückt als Multiplikator. ACOS 25 % ↔ ROAS 4,0×. Außerhalb des Amazon-Kosmos verbreiteter, im Seller-Alltag eher selten. - Ziel-ACOS — die Obergrenze, die sich aus der Produktmarge ableitet. Plangröße, keine Messgröße.
Eine Kampagne, die im Report mit 35 % ACOS dasteht, kann auf Markenebene mit 12 % TACOS völlig in Ordnung sein — wenn der Großteil des Umsatzes organisch fließt und die Werbung primär als Rang-Treibstoff dient.
Warum der ACOS vom Attributionsfenster abhängt
Der ACOS ist keine Eigenschaft der Kampagne. Er ist eine Eigenschaft der Kampagne gemessen durch ein bestimmtes Attributionsfenster. Wer das Fenster ändert, bekommt für dieselbe Kampagne andere Zahlen:
- 1-Tag-Attribution — nur Käufe innerhalb von 24 Stunden nach Klick. Niedrigster ausgewiesener Umsatz, höchster ACOS.
- 7-Tage-Attribution — Default für Seller. Erfasst die meisten Impuls- und Kurzentscheidungs-Käufe.
- 14-Tage-Attribution — Default für Vendoren. Erfasst Käufe mit mittlerer Bedenkzeit.
- 30-Tage-Attribution — erfasst Käufe mit langer Bedenkzeit, Gehaltstag-Effekte und saisonales Bevorratungsverhalten.
Breitere Fenster zeigen immer einen niedrigeren ACOS für dieselbe Kampagne, weil mehr nachgelagerte Conversions dem Klick zugerechnet werden. Ein Produkt, bei dem Käufer zwei Wochen recherchieren (Saugroboter, Matratzen, hochpreisige Küchengeräte), wirkt im 7-Tage-Fenster unrentabel und im 30-Tage-Fenster hochprofitabel — obwohl sich an der Kampagne selbst nichts geändert hat.
ACOS je Anzeigentyp — und warum 1:1-Vergleiche scheitern
Die berichtete ACOS-Zahl bedeutet je Anzeigentyp etwas anderes:
- Sponsored Products — Der ACOS bezieht sich auf die beworbene ASIN und auf weitere ASINs derselben Marke, die der Klick mittelbar konvertiert hat („Halo-Umsatz"). Was Seller Central anzeigt, ist üblicherweise nur die beworbene ASIN; der Halo-Anteil lebt in Brand Analytics oder AMC.
- Sponsored Brands — Der ACOS bezieht sich auf alle Marken-ASINs, die nach dem Klick gekauft wurden, nicht nur auf das Klickziel. SB-ACOS sieht deshalb auf denselben Keywords besser aus als SP-ACOS, selbst wenn SB pro Klick effizienter ist.
- Sponsored Display — Der ACOS enthält View-Through-Conversions (der Nutzer hat die Anzeige gesehen, aber nicht geklickt). Das inflationiert die Umsatzzuschreibung gegenüber SP. View-Through-ACOS und Click-Through-ACOS sind zwei sehr unterschiedliche Tiere.
Wer ACOS-Werte über Anzeigentypen hinweg vergleicht, ohne das Attributionsmodell zu normieren, macht einen der häufigsten Fehler in Kampagnen-Reviews.
Die Formel hinter dem ACOS: CPC, CVR und ASP
Der ACOS ist mathematisch eine Funktion zweier operativer Stellschrauben — Konversionsrate (CVR) und Cost per Click — sowie einer eher fixen Größe: des durchschnittlichen Verkaufspreises (ASP).
ACOS = CPC / (ASP × CVR)
Umgestellt ergibt sich der maximale CPC, den man bei einem gegebenen Ziel-ACOS bezahlen darf:
Max-CPC = ASP × CVR × Ziel-ACOS
Das ist die Formel, die jeder disziplinierte Bid-Optimierer im Kopf rechnet. Sie erklärt die häufigsten ACOS-Fehlerbilder:
- Der ACOS driftet kontinuierlich nach oben. CVR ist gefallen (Listing-Änderung, Preiserhöhung, Bewertungseinbruch, Out-of-Stock). Gebote senken, bis CVR sich erholt.
- Der ACOS ist zu niedrig, Wachstum stagniert. Die CPC-Decke ist zu eng im Verhältnis zur CVR — höher bieten, mehr Impressions holen, weiter unter Zielwert bleiben.
- ACOS auf Kampagnenebene wirkt gesund, Marge ist weg. Halo-Umsatz wird der Kampagne nicht zugeschrieben, und Retourenquoten sind im Ziel-ACOS nicht eingepreist.
Wie sieht „guter" ACOS aus?
Es gibt keinen universellen Benchmark. Ein vertretbarer Ziel-ACOS hängt ab von:
- Bruttomarge der SKU nach Wareneinsatz, FBA-Gebühren, Retourenreserve und Gemeinkostenanteil.
- Lebenszyklusphase. Launch-Kampagnen laufen bewusst oberhalb des Ziel-ACOS, um Rang zu kaufen. Reife Kampagnen müssen auf oder unter Zielwert operieren.
- Strategische Rolle. Defensive Markenkampagnen (eigene Markenbegriffe) laufen häufig bei 5–10 % ACOS und existieren, um Wettbewerber-Conquest zu unterdrücken. Top-of-Funnel-Kategoriekampagnen können bei 60–80 % ACOS laufen und dienen vor allem dem Keyword-Harvesting.
Ein gesunder Account fährt nicht einen ACOS-Zielwert. Er fährt ein Portfolio von Zielen, jeweils gebunden an die Rolle der Kampagne im Funnel.
Häufige ACOS-Fehler
- ACOS als einzige KPI behandeln. Inkrementelle Umsätze, organischer Lift und Markenwert bleiben außen vor.
- ACOS auf Kampagnenebene optimieren statt auf Suchbegriffsebene. Eine 25-%-ACOS-Kampagne enthält oft Begriffe bei 8 % und welche bei 90 %. Der Mittelwert verbirgt die eigentliche Arbeit.
- Falsches Attributionsfenster für das Produkt. Windeln ≠ Saugroboter.
- Halo und TACOS vergessen. Eine „teure" Kampagne abschalten, die in Wahrheit den organischen Umsatz mit getragen hat, ist einer der teuersten Fehler im PPC.
- ACOS zwischen Anzeigentypen ohne Normierung vergleichen. SP, SB und SD attribuieren bewusst unterschiedlich.
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